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Meinung zu: Wetten auf den Euroländer-Konkurs
| Politik |
Man hört beinahe täglich von Euro-Krise, Rettungsschirmen, möglichen Staatsinsolvenzen und so weiter und so weiter. Der eine Experte sagt, man müsse den Krisenländern (wie z.B. Griechenland) helfen, der nächste sagt, man müsse eine geordnete Insolvenz betreiben und wieder ein anderer meint, man müsse „diese“ Länder „über die Klinge springen“ lassen. Was geht ihn Griechenland oder Irland an?! Natürlich ist das zuletzt genannte Szenario wenig sinnvoll, denn schließlich ist die EU eine Union, die sich unterstützen will/muss und wenn es einem Mitglied schlecht geht, betrifft dies mittelbar oder unmittelbar auch die anderen. Was also tun?
Diese Verantwortung liegt zum Glück für uns „Unwissende“ in der Politik und wir können nur hoffen, dass sie das richtige tun. Und was können wir tun? Naja, eigentlich nicht viel. Mancher versucht die Vermögensflucht ins Gold (bei den jetzigen Preisen aber völlig sinnlos), andere gehen in Immobilien und wieder andere kaufen Fremdwährungen wie US-Dollar und Franken (wobei dieser seit kurzem an den Euro gekoppelt ist). Es gibt aber auch noch eine, von mir nicht ganz ernst gemeinte, Idee, wie man vom Fall einiger Länder profitieren könnte.
Wetten Sie doch einfach! Bei der Wettbörse expekt.com kann man darauf wetten, welches EU-Land als erstes die Eurozone verlässt und irgendeine andere Währung aufnimmt.
Die Wett-Quoten stehen derzeit auch schon fest:
Griechenland: 1.65
Italien: 5.50
Irland: 6.00
Portugal: 7.00
Spanien: 13.00
Deutschland: 17.00
Sollten also die Griechen zuerst das Handtuch werfen, erhält der Wetter das 1,65-fache seines Wett-Einsatzes zurück, d.h. z.B. 16,50€ bei 10€ Einsatz. Bei Deutschland ist die Wett-Quote ungleich höher. Hier erhält man bereits das 17-fache seines Wett-Einsatzes zurück, aber wer mag heute schon daran glauben, das Deutschland vor den Griechen, Italienern und Iren ins Gras beißt, bei der derzeitigen Schuldenkonstellation.
Wirklich reich wird man mit diesen Wetten aber nicht.
Zusätzlich sollten alle diejenigen, die jetzt schon das Eurozeichen in den Augen haben und ihr Geld auf die Pleite des einen oder anderen EU-Mitgliedsland wetten wollen, einen Haken beachten.
So hat die EU-Kommission erst kürzlich festgestellt, dass ein Land gar nicht einfach so seine alte Währung wieder einführen kann. Mal abgesehen davon, kämen zu der riesigen Schuldenlast auch noch Währungsunsicherheiten, die Kapitalflucht zur Folge hätten.
So gesehen, ist also fraglich, ob die angebotene Wette überhaupt je zu einem Ende kommt, bzw. ob es überhaupt jemals „Gewinner“ geben wird. Man wettet also nicht nur gegen andere, sondern auch darauf, dass der Fall eines Verlassens der Eurozone überhaupt eintrifft.
Dazu kommen natürlich moralische Bedenken bei so einer Wette, denn es ist doch sehr fragwürdig, ob es moralisch vertretbar ist, auf den „Tod“ eines Staates zu wetten. Zwar stirbt bei einem Verlassen der Eurozone niemand und man bereichert sich beim Gewinn der Wette auch nicht auf Kosten derer, die Gegenstand der Wette sind, aber man gewinnt, wenn andere sprichwörtlich „ins Gras beißen“ und das ist zumindest bedenklich. Und diejenigen, die damit kein Problem haben, dürften sich zumindest an den relativ niedrigen Quoten stören, denn man wettet, wie schon beschrieben, nicht nur auf den Sieg gegen andere Spieler, sondern auch darauf, das das Ereignis (nämlich das ein Land die Eurozone verlässt) überhaupt eintritt.
Alles in allem ist also die beschriebene Wette in meinem Augen mehr ein Gag, als eine ernstzunehmende Sache, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
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