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Urlaub in Tschernobyl – da strahlt der Tourist
| Umwelt |
Es war am 26. April 1986 als der Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl explodierte und damit eine große Menge Radioaktivität freigesetzt wurde. Viele Menschen (man spricht von 10.000 bis 100.000) starben an den Folgen der Katastrophe oder verloren ihre Heimat, da die Zone um das Kraftwerke auf lange Zeit unbewohnt bleiben müsse.
Um den Opfern zu gedenken finden nun heute an verschiedenen Orten Gedenkfeiern statt. So schlug der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kirill um 01.23 Uhr Ortszeit die Tschernobyl-Glocke. Sie läutet traditionell das Erinnern am Jahrestag des Unglücks ein.
Gerade im Hinblick auf die Atom-Katastrophe von Fukushima sind diese „Feierlichkeiten“ natürlich besonders im Fokus der Öffentlichkeit.
In Rom beispielsweise wurden im Circus Maximum, dem größten Schauplatz der römischen Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe, 2.000 Kreuze als Andenken an die Opfer aufgestellt.
Ganz anders mit diesem Thema will aber die Ukraine selbst mit diesem Thema umgehen. Anlässlich der Fussball-EM 2012 hat Kiew einen Reiseveranstalter namens „Zone“ gegründet, der Tschernobyl für den Massentourismus interessant machen soll.
Zur Fußball-EM 2012 will die Ukraine die Zone um den Unfallreaktor in Tschernobyl für den Massentourismus entwickeln. Kiew gründet eigens einen Reiseveranstalter zur "Zone". Es soll geführte Ausflüge in die „Zone“, ein mit Stacheldrahtverhauen gesichertes Areal mit einem Radius von 30 km, für ganze 800 Griwna (rund 100 Dollar) anbieten und aggressiv bewerben. Oksana Nor, die Sprecherin des Reiseveranstalters, rechnet längerfristig mit Besucherzahlen von bis zu einer Million pro Jahr. Schon bisher lockt der Sarkophag jährlich einige tausend Besucher hierher.
Der fünfstündige Ausflug beginnt mit einem Rundgang durch das Kraftwerk. Wer fit genug ist, kann dabei die Aussichtsplattform in der Nähe des geborstenen und inzwischen unter einem Betonsarg von zweifelhafter Qualität vor sich hin strahlenden vierten Reaktors erklimmen. Danach geht es in eine Geisterstadt, das sechs Kilometer entfernte Pripjat. Hier wohnten vor dem Unfall 50 000 Menschen, darunter die meisten Arbeiter und Angestellten. Bei der Evakuierung durften sie wegen der Strahlenbelastung nicht mal Unterwäsche mitnehmen. Heute gleicht Pripjat einem Freiluft-Museum zur Sowjetunion der 1980er Jahre. Die Zeit ist hier am 26. April 1986 stehen geblieben.
Anschließend steht ein Besuch bei den sogenannten Neusiedlern auf dem Programm: Bewohner der ebenfalls evakuierten umliegenden Dörfer, die auf eigene Faust zurückgekehrt sind. Und da Gastfreundschaft auch in der Ukraine erste Bürgerpflicht ist, bewirten die Rückkehrer Besucher mit Horilka – Wodka mit Pfefferschote – und allem, was Küche und Keller hergeben: Salzgurken, Speck und eingelegte Pilze, gesammelt in den verseuchten Wäldern.
Soweit das Standardprogramm. Für einen geringen Aufpreis kann man Angeln im einstigen Kühlwasserbecken des Unglücksreaktors dazu buchen. Auch Schutzkleidung. Obwohl man auf die nach Meinung des Veranstalters getrost verzichten kann: Selbst bei einer Vier-Tage-Tour durch die Zone wäre die Strahlenbelastung für Besucher geringer als bei einem Transatlantikflug. An Kinder, Hunde und Schwangere sollen dennoch keine Tschernobyl-Tickets verkauft werden.
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